Sonntag, 29. November 2009

Che Guevara and Débussy to a disco beat

Die Fahrten aus meiner niedersächsischen Wahlheimat in meine saarländische Heimat sind nicht nur geografische, sondern auch soziologische High-Lights. Das Verlassen sämtlicher Tiefebenen scheint da noch nicht das Bemerkenswerteste zu sein, nein es ist das Verlassen der Regionen, in denen Hochdeutsch nicht nur die Amts-sondern auch die Verkehrssprache ist. Wge aus Hannover, wo man ja, wie ich kürzlich erfuhr, einen "Dialekt" spricht, das Hannöversch oder so. Echtes Hochdeutsch spricht man in Celle, dies ist allerdings für jemanden, der nur schwer ein Steinobst von einem Gotteshaus unterscheiden kann, nicht mit bloßem Ohr als solches zu identifizieren. Will heißen, ICH höre da null Unterschied.
Zurück zur Fahrt, man verlässt also Niedersachsen, kommt ins babbelnde Hessen, um dann kurz später das schwätzende Monnem zu erreichen. Wie sehr ich es liebe!
Und genau dort passierte am Wochenende im ICE folgendes: Ein absolut nicht besonders vertrauenerweckender Typ um die 30 lag schlafend vor der Tür (inside). Der Schaffner, Typus deutscher Schaffner um die 60 mit mehr Haaren über der Lippe und auf den Zähnen als auf dem Kopf, tritt an den Mann heran, schliesslich muss er ja kurz später die Türe öffnen (wir waren wenige Minuten vor Monnem). Der Mann wacht auf und weist den Schaffner darauf hin, dass dieser auf seinem Hosenbein steht. Der DB-Angestellte ignoriert dies zunächst einmal geflissentlich, um nach einem weiteren Hinweis des Mannes, einen Minischritt nach hinten zu machen. Der Mann nickt dankend, reibt sich die Augen, checkt, dass er aufstehen muss und nun passiert das Unglaubliche. Er will sich an der Haltestange hochziehen und gleitet dabei so ein bisschen ab. Daraufhin springt ihm der Schaffner zu Hilfe, packt ihn am Arm, zieht ihn hoch und sagt dabei: "Gäz?". Der Mann, peinlich berührt, antwortet nur: "Ei jo, so digg bin isch jo aach noch nett."
Mannoman. Vorurteile abbauen, Frau Müller.

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