Mittwoch, 9. Dezember 2009

Dance like nobody is watching

Mein Interesse für Universitäten hält sich stark in Grenzen. Jedoch selbst zu mir ist durchgedrungen, dass gestreikt wird an deutschen Unis - mal wieder.
Natürlich erinnerne ich mich gerne an den bitterkalten Dezembertag 1996 zurück, als große Teile der philosophischen Fakultät der UdS die Kreuzung Dudweiler Straße/Kaiserstraße in Saarbrücken im Rahmen des "Lucky Strike" blockierten, indem sie einfach nur "zu langsam" über die Fußgängerampel gingen und somit die Grünphase für die Autos zeitlich sehr stark limitierten. Das Ergebnis war, dass der Berufsverkehr der Saarmetropole zusammenbrach und ich danach die erste Mandelentzündung meines Lebens hatte. Weitere Konsequenzen gab es, wenn ich mich recht erinnere, nicht. Zumindest keine, die die Uni betrafen.
13 Jahre später studieren die Leute in einem völlig anderen System. Dass dieses "neue System" kein großer Spaß ist, scheint auf der Hand zu liegen und ist bekannt. Wenn man einen Schein nicht bekommt, padong, wenn man nicht genug Credit Points bekommt, darf man nicht den anderen Kurs machen und keine Bachelorarbeit schreiben und so weiter. Die Kurse werden auch nur alle paar Semester angeboten und dann hängt man in der Warteschleife. Wenn man die Credit Points nicht beisammen hat, dann sagt man sich nicht, ach, dann habe ich eben totales Pech gehabt und muss mich schämen, nein man muss auch latzen und zwar nicht zu knapp. An meiner Uni, der Universitas Saraviensis, muss man für "grundständige Studiengänge sowie konsekutive Masterstudiengänge" seit dem Wintersemester 2007/2008 im ersten und zweiten Semester 300 und danach 500 Teuro Studiengebühren zahlen. Frau Dr.Maurer, vom Projektmanagment Studiengebühren erklärt dies hier folgendermaßen:
"In einem starken internationalen Wettbewerb unternimmt die Universität daher zahlreiche Anstrengungen, um die Qualität von Lehre und Studium auf hohem Niveau zu sichern und fortzuentwickeln. Angesichts angespannter öffentlicher Haushalte können die dafür notwendigen Mittel nicht allein vom Land bereitgestellt werden. Die Studierenden profitieren direkt von weiteren Verbesserungen, müssen dafür aber auch einen finanziellen Beitrag leisten."
Aha, also, ich darf studieren und zwar seit neustem richtig dufte, dann aber bitte auch mit einem kleinen Spendenbeitrag. Son war es bislang. Aber nun, anschnallen, Kippe aus, festhalten. Der evangelische Pressedienst teilte gestern mit:
"Die im Saarland regierende "Jamaika"-Koalition hat die allgemeinen Studiengebühren für das Erststudium gekippt. "Wir garantieren saarländischen Studierenden ein gebührenfreies Studium ab dem kommenden Sommersemester", sagte Wirtschaftminister Christoph Hartmann (FDP) am Dienstag in Saarbrücken."

Aha, also, neue Regierung und plötzlich ist die Haushaltslage besser? Und plötzlich muss man als Studierender nicht mehr seinen Teil dazu beitragen, dass der Laden da oben im Wald läuft? Da hat sich wohl irgendwann jemand dringend verrechnet.
Nun las ich kürzlich auf SPON einen Satz des Präsidenten des Hochschulverbandes (wasimmer der auch so zu tun hat) Bernhard Kempen:
"Wir haben zwei Studentengenerationen verschlissen." Kemper fordert in dem Artikel unter anderem die Widereinführung des Dipl.Ings. Nach ein paar Jahren Betschelers schaffen wir den wieder ab, weil, da ham wa uns wohl getäuscht.
Und Studiengebühren, schaffen wir auch ab, jetzt ist ja wieder genug Geld da.

Ich weiß nicht, ob ich mit Herrn Kempen einverstanden bin, dass die Generation von Studenten verschlissen wurden. Veräppelt scheint mir da richtiger.


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