Mittwoch, 30. Dezember 2009

I just need your extra time and your...

Paris, das war's also wieder und es war legendär gut. Das Café am Palais Royal, wo es angeblich den besten Schokoladenkuchen der Stadt gibt, hatte zwar geschlossen und das Éclair, das ich stattdessen aß, war das schlechteste der Welt, dafür war ich zum ersten Mal im tollen Musée de Cluny und zum wiederholten Mal im Musée Rodin. Leider habe ich den Tipp aus den Kommentaren, eine Ausstellung im Centre Popidou anzuschauen zu spät gelesen, deswegen habe ich gestern einen 4stündigen Spaziergang durch die Stadt gemacht, der sich allerdings auch gelohnt hat.
Denn bei diesem Spaziergang sind mir mehrere Dinge aufgefallen. Erstzens, man kann die Touristen nicht mehr einfach so in nationale Kategorien unterteilen, weil z.B. die Spanier und Japaner jetzt auch North-Face-Produkte tragen, was ja früher den Deutschen vorbehalten war. Diese kann man aber immer noch an den praktischen Schuhen und der Ungeduld in den Warteschlangen erkennen (und daran, dass sie am besten vorbereitet sind). Zweitens, der gemeine Paristourist ist verliebt, in wen auch immer. Es wird geknutscht, dass sich die Balken biegen. Diejenigen, die gerade nicht verliebt sind, schauen deswegen die ganze Zeit ultraneidisch auf die Knutscher. Drittens, aufgrund gewisser Attribute ist man für den Pariser Kellner ausschließlich eine Zumutung. Bei mir sind es verschiedene Faktoren: a) zu alt, b) nicht reich genug, c) nicht willig. Welcher der Faktoren der ausschlaggebenste für absolute Nichtbeachtung ist, sei dahingestellt. Zu spüren bekam ich das am Montag. Eine jugendliche Touristin und ich waren beide gleichzeitig in einem Café an der Sorbonne.
Der Kellner hatte meine Orangina nicht nur widerwillig an meinen Tisch gebracht, sondern auch völlig emotionslos mit dem Décapsulateur geöffnet und zwar stand die Flasche dabei auf dem Tisch. (wie sich das gehört) Kurz später kam eben die jugendliche Paristouristin (Typ aufgetakelter Teenager, aber noch ungeknutscht) mit Mutter ins Café. Während die Mutter kurz verschwand, kam der Kellner mit der Bestellung: ein Kaffee für die gnädige Frau und für das Kind eine Flasche Cola light (was auch sonst...). Der Kellner nahm die Flasche MIT Décapsulateur von oben in die rechte Hand und hielt dabei das Tablett in der linken fest. Er konnte also, der Flasche beim entkronkorken keinen Widerstand geben. Deswegen haute er sich die Flasche von hinten gegen die rechte Schulter und mit einem großen Zischbummspritz ergoß sich ein ordentlicher Schluck der Cola light auf dem Hemd des Kellners und die Flasche war auf. Das Mädchen, das blitzschnell checkte, dass es sich hierbei um ein Anmachen durch Beeindrucken handeln musste (und zwar in der Klasse "nächstes Jahr kommen wir mit der Numemr ganz groß raus"), blickte verschämt unter sich und der Kellner wischte sich, als er wieder zur Kasse ging unauffällig die Cola vom Hemd.
Darüber, sowie über die zwei Pfälzer-Witze, die mir ein Freund im Zug erzählte, amüsiere ich mich schon seit zwei Tagen!
Direktknutschen


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